Es ist nun die 6. Produktion, in der du mitspielst. Das ist jugendclub-historischer Spielerinnen-Rekord. Was motiviert dich beim Theater spielen jedes Mal aufs Neue?
Theater, gerade auch im Jugendclub, spiele ich vor allem, weil es für mich ein guter Ausgleich ist. Ich kann mich selbst dabei besser kennenlernen und ausprobieren. Aber natürlich auch wegen den Leuten. Ich habe das Gefühl, wenn wir Theater spielen, dann gibt es nur das Theater. Ich kann nicht noch etwas anderes nebenbei machen oder es einfach absagen. Es ist etwas Fixes, wo ich Zeit habe, einfach sein zu dürfen und wo der Alltag wegfällt.
Wenn du dich in diesen Jahren zurückerinnerst, was sind Momente, die prägend waren?
Gerade innerhalb meiner ersten beiden Produktionen „An der Decke leuchten die Sterne“ und „Die Banditenkönigin“, ist sehr viel in meinem Leben passiert, weil ich mich getraut habe, aus mir herauszukommen. Zu der Zeit ging es mir privat nicht besonders gut, doch das Theater hat mir geholfen, den Mut aufzubringen, laut zu reden, hinzustehen und etwas zu spielen.
In jeder Produktion sind wieder neue Leute dabei und natürlich auch bereits Bekannte, aber es ist doch jedes Mal wieder ein Neuanfang. Das Tschüss sagen am Ende einer Produktion ist immer auch etwas Trauriges für alle. Man muss jedes Mal wieder etwas Grosses abschliessen, was einen in dieser Zeit ans Herz gewachsen ist, und was man über ein Jahr hinweg mitgestaltet hat.
War es für dich jedes Mal wieder eine Entscheidung, ob du mitspielst oder hast du irgendwann gespürt, dass es ein grösserer Bogen wird?
Es hat mich immer so sehr erfüllt, mitzuspielen und mit ähnlichen Leuten zusammenzuarbeiten, dass es für mich immer klar war, weiterzumachen. Für mich entsteht ein Bogen, weil es immer wieder sehr viel Zeit ist, die ich jedes Jahr investiere.
Ich werde auch nicht aufhören, Theater zu spielen. Ich werde bloss nächstes Jahr vielleicht nicht mehr mitspielen, weil ich, jetzt wo ich mit der Schule fertig bin, noch nicht weiss, was auf mich zukommt. Vielleicht gehe ich ins Ausland. Und so schliesst sich der Bogen, weil ein neuer Lebensabschnitt für mich beginnt.
Was würdest du jüngeren Menschen raten, die sich überlegen, mit Theater spielen anzufangen?
Mit dem Theater spielen anzufangen, braucht für die meisten sehr viel Mut – auch für mich. Denn meine Mutter hatte mich mal gefragt, ob ich gerne Theater spielen würde, weil ich als Kind so begeistert davon war. Ich meinte nein. Meine Mutter fragte, ob ich denn nicht wolle oder mich nicht traue. Ich traue mich nicht.
Danach hat sie mich einfach für die Werkstatt, sozusagen die Vorstufe für die Produktion, angemeldet. Ich bin hingegangen und es hat mir sehr viel Spass gemacht. Dieser Schubs meiner Mutter hat mir damals sehr gutgetan, weil ich mich allein nicht getraut hätte.
Das kann ich weitergeben. Man kann einfach mal reinschnuppern und wenn man Spass hat, dann go for it. Ich glaube, alle können Theater spielen, wenn man den Mut hat loszulassen.
(Das Interview führte Simon Kramer)

Amélie Maag links bei ihrer ersten Produktion «An der Decke leuchten die Sterne» 2022 und rechts 2026.